Hallo ihr Lieben,

möchte euch berichten von einer Radtour auf Sardinen, von der Nordküste (La Ciaccia) quer über die Insel an die Südküste (Cagliari) 280 Km ging es mit Rad im Septemer, zum Teil per Bus und Zug durch´s traumhafte Sardinien.

 

Es gibt gute Tipps und vieles über "dolce vita", Land und Leute, Hinweise die du als Tourist gut gebrauchen kannst. Freue mich über jeden netten Kommentar.

 

1. Tag LA CIACCIA - BONARVA

  1. Tag BONNORVA - ORISTANO

  2. Tag ORISTANO - VILLASOR

  3. Tag VILLASOR - CAGLIARI

  4. Tag CAGLIARI - LA CÌACCIA

 

1. Etappe

Los ging es morgens 8:30 h in La Ciaccia bei Castelsardo, das Tourenrad hat so 20 kg mit mir ca. 96 kg. 68 Km mit dem Rad bis Ploaghe. Ab Station Ploaghe mit dem Zug bis Bonorva, dachte ich, es kam aber anders.

Denn die Fahrpläne in den Schaukästen der Bahnhöfen haben einfach keine korrekten Angaben. Im Plan stand Bonorva, der Zug hielt aber in Giave, 6 km weiter. Es gibt für den unbedarften Reisenden, also den Touristen, nur zwei Möglichkeiten an wahre und echte Informationen zu gelangen

a) Die Ticketautomaten die fast in jedem Bahnhof stehen sind immer aktuell und relevant. Text und Sprache auch in Deutsch. Einfach Zielbahnhof eingeben, Datum, Personen, Uhrzeit. Der Automat zeigt die beste Verbindung inkl., Umsteigemöglichkeiten, tagesaktuell. Bezahlt wird erst nach Erhalt aller Information., das ist eine tolle Sache und sehr simpel und pragmatisch. Zug- und Busfahren ist auf Sardinien sehr preiswert. Z.B. meine Rückfahrt von Cagliari nach Sassari, ca. 200 Km, kostete mit Gepäck und Rad 20,00 €

 

b) Wenige Bahnhöfe haben keinen Ticketautomaten, .....kein Problem die Italiener haben dafür eine Lösung. Die Lösung heißt: nächste Bar oder ein Tabakwarenladen (tabaccheria) Du fühlst dich erwartet!!, denn die einfache Frage "hält der Zug in Bonorva oder Giave" löst eine gestenreiche, mimikstarke Diskussion aus, es gibt reichlich Hilfe und Tipps, leider zum Teil widersprüchlich. Irgenwann wurde ein Nenner gefunden und ich konnte mich von den netten Leuten verabschieden. Es gab noch Schulterklopfer, eine "Fastumarmung" und Grüße an meine Familien, die allerdings keiner kannte. Liebenswert sind sie, die Sarden, alle.

Sprachproblem gibt es kaum bei folgenden Regeln.Ich spreche so gut wie kein Italienisch!

a) Suche alte Männer, von 10 sprechen 2-3 gutes Deutsch,sie waren früher "Gastarbeiter"

b) Wenn du schon ein italienisches Wort sagst, sag es deutlich mit richtiger Betonung

c) Achte auf Mimik und Gesten, das ist eine eigene Sprache, wirklich beeindruckend

.

Nach diesen anstrebenden Diskussionen widmeten sie die Leute (meist Rentner) wieder Ihrer Beschäftigung des Glücksspiels, der Wetten etc......alles im Tabakladen. Diese Läden haben oft auch eine Bar, nicht die Bar wie in Nordeuropa, nein eine Bar ist im Süden immer eher ein Café, ein ziemlich alkoholfreies Terrain, zumal diese Stätten meist morgens ab 8 h und nachmittags aufgesucht werden, zu ca. 90 % von Männern.

 

Kurz noch etwas zur Radroute: ich dachte der einzige Berg auf der Tagestour ist der Berg zwischen Santa Maria Coghinas und Perfugas.....leider weit gefehlt, es folgen sehr schwierige Berge, die nicht steil sind, aber deshalb sehr langgezogen aufsteigend sind, das zum Teil über 10 km lang, ohne Schatten. Es gibt nur eine Wasserstelle auf 30 Km, das ist eine Tankstelle auf der Straße SS672. Das war meine Erlösung. Bestellte 3 Fl. Wasser, 2 Dosen Cola, 1 Cappuccino, der Wirt gab mir alles und 5 Gläser. Die Gläser ließ ich stehen, tja der Wirt war etwas erstaunt, hat die Situation dann aber verstanden und mich mit Blicken bemitleidet, so wie ich dastand. Es war der erste Reisetag, wie wird´s werden, werde ich die Tour überhaupt schaffen. Mir kamen erste Zweifel.

Die Landschaft ist immer wunderschöne bis atemberaubend, bei guter Sicht traumhaft. Radtouren mache ich nicht mehr im Herbst, sondern im Frühjahr, da ist alles viel grüner und wirkt intensiver und frischer, also noch schönere Landschaften.

 

2. Etappentag Bonorva nach Oristano, ca. 90 Km

Diese Berge, diese verdammten Berge. Nicht steil, aber die Anstiege ziehen sich über manchmal 8-10 Km in praller Sonnen, kein Wasser weit und breit, auch keine Menschen, keine Orte in der Nähe. Rasende Autos schießen an meinem Rad und mir vorbei, LKW bedrohlich nahe. Dummerweise spart man immer gerne am Wasser, einfacher Grund, Wasser ist schwer 1 Liter=1 Kg, also denkt man sich, das kann ich unterwegs immer noch kaufen, um sich das schleppen zu sparen. Na ja, ich hab ja Zeit. Schaffe nur ca. 50. Km bis Macomer, ab dort fahre ich mit dem Zug bis Oristano.
Welch ein Segen, das ich die Route gewählt habe die an einer Zugstrecke vorbei führt, das ist meine Rettung, mit den Zugfahrten schaffe ich den Zeitplan. Die Berge, diese Berge habe ich völlig unterschätzt ich Dummkopf. Langweilig und anstrengend ist´s stundenlang Steigungen zu bewältigen mit so ca. 5-6 Km/h, das heißt 25-28 Km in 5 Std.
Ich unterhalte mich dann schon mal gerne mit meinem Rad, das Rad hört zu, kritisiert mich nicht. Allerdings, wie es mir im Elsass mal passierte, meinte ich das Rad würde antworten. Das bedeutet Alarm, das ist für jeden Radler das Zeichen die Tour abzubrechen.

Eine Erscheinung aus der 70er Jahren glaubte ich auch zu haben im Örtchen Pedru Mannu, dort war der Dorfplatz wie aus den Filmen "Don Camillo und Pepone" links die kath. Kirche, rechts das "rote" Rathaus, alles recht simpel aber eben überschaubar. Leider wurde das 70er Bild gestört durch 3 Pizzerien, aber egal.
In der Nachmittagssonne dösten einige Rentner dem Abendessen entgegen. Die Ruhe wurde aber je gestört als meine Wenigkeit auf dem Platz erschien. Blond, hellhäutig, blauäugig, Tourenrad mit Packtaschen.........ja ein Fremder hatte den Ort betreten.
Wer redet jetzt zu erst? Ich habe mich getraut mit meinem grottenschlechten Italienisch zu sagen, " Buonasera, scusi, io parlo male Italiano. Io imparando Italiano". Hatte ich mal auswendig gelernt, dacht das kommt gut an, dachte ich. Daraufhin eine der Rentner. "Ah, Sie sind aus Deutschland, wie schön, aus welcher Stadt". Er sprach perfekt allerdings mit einem Akzent, nicht italienischer Akzent, nein er hatte einen schäb´schen Akzent. Ich, nein, wir alle waren begeistert, Jetzt brachen wieder alle Dämme, ich hörte so Sätze wie, "Mein Sohn hat drei Kinder, lebt in Köln-Nippes. Meine Tochter hat in Köln studiert. Ich bekam die ersten Schulterklopfer und Grüße an meine Familie, die aber doch keiner kannte. Ja, das ist ja gerade das Nette an der Sache. Ach ich liebe das, warum ist dieses menschliche Niveau in Germany nicht möglich??

Ich musste weiterfahren, mein Zug wartet nicht, es folgten weiter Berge, Radprofis sagen Hügel, nein für mich waren das Berge, riesige Berge die immer höher wurden, wie an den Bildern zu ersehen ist. Ich erreichte den Zug, die fahrt ging erholsam und flott nach Oristano. Ab Oristano wird die Strecke merklich flacher, diese Erkenntnis erfreute mich dermaßen, das ich im leeren Zugwagen ein Tänzchen aufführte, peinlicherweise vom Kontrolleur abrupt beendet.....Kontrolle. Ich sah ihm an was er dachte, er dachte:"aha ein Tourist, der hat natürlich sein Ticket nicht entwertet". "Doch, guter Mann habe ich", dachte ich und so war´s denn auch. Fuhr vom Bahnhof mit dem Rad zum Hotel, schlief wie ein Bär im Winter, frühstückte ausgiebig und massig.......der 3. Tourentag konnte beginnen.....es kommen keine Berge mehr. LIEBER GOTT, DANKE, KEINE BERGE!!!

 

3. Tag der Radtour quer durch Sardinien, Castelsardo-Cagliari 280 km

Von Oristano nach Villasor, ca. 90 Km

 

Gestern Abend durch Oristano geschlendert, das weltberühmte italienische Eis gegessen, nein, nicht gegessen, konzentriert genossen, gleich 2 Portionen. Später, eine große Pizza "da prendere" für 4 € auf einer Parkbank bei mediterranem Flair und Klima in einem typischen ital. Stadtpark verzehr ........ himmlisch. Hundemüde, satt, sehr zufrieden mit der italienischen Welt und im Einklang mit einfach allem auch, schleppe ich mich ins Hotel, falle in "Ohnmacht", schlafe 11 Std. Morgen nur die 90 km nach Villasor zu "erledigen" und tagsdrauf nur noch 40 Km bis Cagliari, meinem Ziel. Morgens geht es los mit meinem schweren Rad, die Oberschenkel schmerzen, egal, das ist nach 1/2 Std. wieder weg, Muskelkater von Gestern. Die Landschaft hat sich verändert, es wird alles karger, das Grün wird seltener, es wird alles gefühlt etwas staubiger. Ist es das Nordsüdgefälle in der Natur? .....und es gibt einfach keine Berge mehr, fahre auf einer riesigen Ebene, mache flott viele Km, finde sogar in völlig abgelegenen Orten in einfachen Bars WIFI-Anschluss. Alles "läuft" prächtig, haue mir mit meinem MP3-Player Eros Ramazzotti mittels Kopfhörer auf die Ohren, so laut wie's nur geht..... Die Straßen sind wunderbar im Zustand, eigentlich wie überall auf Sardinien. Liege später unter einem Olivenbaum im Schatten und könnte weinen, weil, es ist einfach alles perfekt, Termina bene bene, ja alles wird gut enden. Morgenabend wird das Ziel erreicht, ohne Berge. Freue mich auf Cagliari, bin voller Erwartung.

In Serrenti dann Ernüchterung: erster "Plattfuß", ach egal, natürlich am Hinterrad, wie immer. Kann nicht geflickt werden, da ich das Loch nicht finde, also neuer Schlauch, kein Problem. Nach 30 Minuten geht´s weiter. Kilometerzähler bei der Reparatur verloren, also 5 Km zurück, Km-Zähler gefunden. Alles egal, solange keine "Mörderberge" kommen. Schaffe die 90 Km in 7 Std. inkl. langer Pausen, bin zwar "kaputt", aber "schöner kaputt" als in den Bergen. Bin zu früh an meiner B&B Station, klingele trotzdem bei der Vermieterin, sie lässt mich freundlicherweise in mein Zimmer. Es ist immer so traurig und ärgerlich, dass ich nicht besser Italienisch sprechen kann, denn die Menschen hier wollen sie immer unterhalten, ich auch, aber ich kann es nicht. Dusche, also enstaube mich, geh durch´s Dorf, auch hier der typische schön gestaltete Dorfplatz. Im Zentrum an der Kirche, viele Kinder spielen zwischen ruhig sitzenden Rentner, junge Familien gehen in die Kirche deren Außenwände geschmückt sind, es ist der Geburtstag eines Heiligen. Also wieder, wie so oft, 3 Generationen harmonisch auf einem Platz, jeder kennt jeden. In Deutschland nicht zu finden, das kann doch nicht nur am Klima liegen. Gehe in die Kirche stelle eine Kerze für meine Familie auf und sehe einen Tisch voller Lebensmittel mit einem Schild " per i poveri", für die Armen, bin etwas gerührt. Also spenden Leute Lebensmittel für die armen Leute im Ort, anonym, oh wie schön.

Esse ein preiswertes Fischgericht in einem Restaurant und liege um 22 h im Bett und der 3. Tourentag geht zu Ende.

Morgen......ja Morgen kommt Cagliari....nur noch lächerliche 30 km, es wird unvergesslich, wie alle Tage dieser Tour, bin ein wenig nervös.........Cagliari, ich schaffe es, es wird sehr schöne werder..................

 

4. Tag

Von Villasor nach Cagliari, ca.32 km

Nach einer guten Nacht gab´s bei der Gastgeberin ein gutes Frühstück, konnte mich auf Italienisch bedanken und verabschieden. Habe ein gutes Gefühl, denn heutenachmittag bin ich am Ziel, das Ziel ist Cagliari, 280 km von Castelsardo, davon jetzt nur noch 40 Km, ohne Berge. Leider aber recht viel Verkehr auf engen Strassen, also setze den Sturzhelm auf. Dir Fahrt geht nach Decomomannu, Assemini über Almas nach Cagliari. De Verkehr wird immer dichter, immer hektischer, stickiger, unangenehmer. Nach den hunderten von Kilometern durch saubere Natur eine Zumutung. Die Gesicher der Menschen sind angespannter, oft auch düsterer und konzentrierter als auf dem Land, es sieht einfach alles ein wenig "ungesünder" aus. Empfinde die Luft als schlecht, grau, laut und stickig. Gelange noch 1,5 Std. an den Hafen von Cagliari. Auf dem großen Parkplatz schlendern jungen Männer langsam an den Autos entlang und schauen konzentriert in´s Innere und suchen Wertsachen. Ein Polizist streitet sich laut mit einem Autofahrer. Hole mir in einem Supermarkt belegte Toast, 2 Cola uns essen alles im Hafen etwas hektisch, .....ach hier gefällt es mir nicht so richtig. Habe viele Stunden Zeit bis ich mein B&B-Zimmer in der Altstadt beziehen kann. Passe auf mein Gepäck und Fahrrad auf, bin erstaunt über die vielen italienischen Bettler. Sehe Frauen die vor Touristen auf die Knie fallen und bettern, ich bin etwas geschock. Lasse mich durch die Menschmassen weitertreiben, in die Altstadt den Hügel hoch, unten am Bahnhof. Cagliari hat wohl schon bessere Zeiten erlebt, es hat zwar alles einen mediterranen Charme, aber der Charme scheint zu zerbröseln, alles wirkt geflickt, sieht vertuscht aus. Es gibt keinen Glanz, auch keinen gefühlten Glanz. Ich den riesigen Passagen paralel zum Meer in der ersten Häuserreihe befinden sich einfache Cafès, schlichte Restaurants, Kioske, alles recht simpel, ohne Chick und ohne Charme. Der hetische, kurzweilige und städtische Tagesablauf einer Großstadt erwürgt den Rest an mediterraner Lebensweise. Von wegen "Dolce vita", hier bestimmt nicht. Vielleicht aber am Abend, hatte viel gehört über das Treiben in der Altstadt an Wochenenden. Heute ist Samstag, je bin gespannt was so los ist auf einem Samstagabend in der Altstadt von Cagliari.

Trödel bis 18 h so rum, geh zur Adresse des B&B, klingele, ziehe ein, wir erledigen das schriftliche, bin in meiner kl. Wohnung, gehe so um 21h in die Altstadt.

Tausende Menschen füllen die Strassen, hunderte kleine Bars, Imbisstuben, Cafés, Kneipen etc. sind geöffnet und gefüllt. Denke es ist sicher ein Feiertag, falsch, es ist ein "normaler" Samstagabend.

Jetzt eröffnet sich mir ein wirklich traumhaftes mediterranes Flair, unendlich locker, frei, freundlich, lässig, ungezwungen und freundlich bei einem wunderbaren Klima. Es ist nichts aufdringliches, übertriebenes zu finden. Keine betrunkene, agressiven Menschen, keine öde grölende, pöpelnde Leute. Nichts, es war sehr, sehr angenehm und anregend sich durch die Strassen und engen Gassen treiben zu lassen. Hier ein Eis, da eine Pizza, mit fremden Leuten "Small talk" einfach so. Nach einigen Stunden bin um 1 morgens in´s Bett gefallen. Morgen noch die Heimfahrt nach La Ciaccia bei Castelsardo. 

 

5. Tag.

Die Rückfahrt von Cagliari nach Castelsardo

Es ist vorbei, die Radtour ist zu ende, 280 Km mit einem 20 kg-Rad. Etwas wehmütig geht´s zum Bahnhof, unten am Hafen der Stadt. Der gestrige Abend war auch ein Höhepunkt der Tour. Das mediterrane Leben abends war so traumhaft menschlich, so emotional und doch so zivilisiert. Die Schönheit der Südländer mit ihrem Charme, ihren Gesten, Ihrer Mimik.....diese leicht prickende Erotik bei gewissen Blicken und Gesten, manchmal einfach nur so im Vorbeigehen. Allenthalber Freundlichkeit und "dolce vita".

Das einfache Essen und doch raffinierte Essen, die wunderbaren Weine....und die 1000 Kleinigkeiten.

 

Denke mehr an die Mentalität der wunderbaren Leute, als an die vielseitige und wunderschöne Natur, hätte ich vor der Tour niemals gedacht. Habe viel gelernt, gesehen, erfahren dürfen, bin dankbar und traurig. Alles Mühen haben sich gelohnt, bin reich beschenkt worden.

Grazie mille!!!!

Im Frühjahr 2018  kommt die Tour La Ciaccia, Tempio, San´Antonio, Arzachera

 

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