Der schneebedeckte Kilimandscharo. So nah und doch so weit entfernt

Wanderung auf den Kilimandscharo

Auf der Machame Route zum Gipfel, 6 tägige Wanderung

Mit Condor von Frankfurt zum Kilimandscharo Airport. Nachtflug über Afrika nach Tansania.

TIPP: Fenster-Sitzplatz links in Flugrichtung buchen, möglichst nicht direkt am Flügel, Du hast einen traumhaften Ausblick auf den Kili, besonders beim Nachflug ( Frankfurt ab 20:10 h ) erlebst Du den Sonnenaufgang über dem Kili, sehr beeindruckend, daß alleine wird schon unvergessen bleiben.

Wurde pünktlich von Alexander mit dem Kleinbus abgeholt und in sein Hotel nach Moshi gebracht. Auf der Fahrt mit Blick auf den Kili mußte man gleich die bittere Armut des Landes erleben. Einfachste Hütten am Straßenrand, ohne Strom und Wasseranschluß, alles staubig, viele Menschen am Straßenrand auf dem Weg zur Arbeit, wenn es denn überhaupt Arbeit gibt. Die Menschen scheinen eher auf Arbeit zu warten, oder sie versuchen welche zu finden.

TIPP: Mit dem Veranstalter Afromaxx habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Das von den beiden Deutschen Madeleine und Alexander geführte Hotel in Moshi wird sehr familiär aber auch professionell geführt. Besonders freundlich und aufmerksam war die Praktikantin Jaqueline  aus Deutschland. Die Durchführung der 6 tägigen Besteigung war wirklich bestens organisiert. Als Profikoch staunte ich über die ausgezeichnete Küche, das Begleitpersonal war sehr erfahren und hilfreich. Englisch war kein Problem, ja sogar deutsch konnte der Chefguide, er pflegte zu sagen "nun lasset uns gehen" mit seinem Akzent war das jeden Morgen ein humorvoller Einstieg in die Tagstour. Der Führer macht seinen Job schon in dritter Generation, sein Opa hat schon Touristen auf den Kibo ( Gipfel) geführt, sagt er zumindest.

www.afromaxx.com 

E-Mail: mail@afromaxx.com

Im Hotel bezog ich mein "afrikanisches" Zimmer, so richtig mit Moskitonetz über dem Bett und Moskitogitter an den Fenstern. Mit reichlich Insektenschutz in Tabletten - und Sprayform  war ich auch geschützt gegen die gefürchteten Krankheitsbringer. Nach einer Routenbesprechung  ging`s dann am nächsten Morgen mit Trägern, Koch, zwei Führern  per Kleinbus zum Ausgangspunkt Park Gate Marangu auf 1840 m.

Tipp: Die Angst vor Moskitos ist vielleicht etwas übertrieben, Moskitos kommen in der Regel erst am 17 Uhr. Über 2500 m gibt es keine mehr. Die teuren Tabletten ( 12 Stück für 20 Euro ) habe ich gar nicht eingenommen, ein entsprechendes Spray ab 16 Uhr währen der Zeit unter 2500 m hat mir ausgereicht, aber das muß jeder für sich entscheiden, ebenso die Impfungen, z.B. Gelbfiber muß nicht unbedingt sein.

Der Kilimandscharo ( sinngemäß übersetzt: unbezwingbarer, vereister Berg ) wurde auch zur deutschen Kolonialzeit bis 1918 als der höchste deutscher Berg bezeichnet, die Zeiten sind aber glücklicherweise vorbei.

Unsere Route: ca. 60 Km

1. Park Gate 1840m - Machame Camp 2980 m, 4,5 - 6 h,  Km 9 

2. Machame Camp 2980 m - Shira Camp 3830, 5-6 h, Km 7

3. Shira Camp 3830 m - Barrango Camp 3950 m, 6,5 - 8 h, Km 12

4. Barrango Camp 3950 m - Barafu Camp 4600 m, 7-8 h, Km 13

5. Barafu Camp - Uhuru Peak 5850 m, 11-14 h, Km 19. Mweka Camp 2850 m

6. Mweka Camp 2850 - Park Gate Mweka 1800, 3-4 h, Km 6

 

1. Park Gate 1840m - Machame Camp 2980 m, 4,5 - 6 h,  Km 9

Durch den Regenwald und nach nur einer halben Stunde die erste freilebenden Affen gesichtet,  unser Führer erklärte uns anschaulich die Fauna und Flora, nach ca. 2 Stunden die erste Ruhepause. Täglich gab es ein Lunchpaket  mit Frischobst, Müsliriegel, Saft, Toast. Nach ca. 5 Stunden erreichten wir schon unser erstes Tagesziel einen kleinen Campingplatz im Grünen mit Blick auf den Kilimandscharo, schon fast unwirklich schön und ruhig gelegen. Nach einem reichlichen Abendessen ging es in die Zelte und zur verdienten Nachtruhe. Ich hatte ein 3 Personenzelt zur Alleinbenutzung, meine Begleiter, ein Ehepaar aus Nordeutschland , bewohnten auch ein 3 Personenzelt.

2. Machame Camp 2980 m - Shira Camp 3830, 5-6 h, Km 7

Die Landschaft wird karger, der Regenwald liegt unter uns, die Luft wird dünner, habe ganz leichte Kopfschmerzen, fühlen mich aber topfit. Es wird teilweise sehr kalt, natürlich abends und morgens habe eiskalte Finger und Füße, Ruhepuls liegt  schon bei 120, fühle mich aber trotzdem recht fit und habe auch im Gehen keine Atemprobleme obwohl bei langsamen Gehen der Puls auf 150 geht.

Die Landschaft ist traumhaft, oft sieht man den Kilimandscharo der immer näher zu kommen scheint. Man schaut auf ein weißes Wolkenmeer und darüber lupenreiner blauer Himmel. Die Luft ist kalt und frisch, die Sonne scheint, ein Glückstag

TIPPMan muß sich darüber bewußt sein, daß es auf dieser Route keinerlei sanitären Einrichtungen, außer einem vollgeschissenen Plumpsklo, gibtEs gibt morgens etwas warmes Wasser vom Koch für die nötigsten Dinge. Es gibt kein fließendes Wasser. Es gibt auch keinerlei künstliches Licht, d.h. ab 19 Uhr ist es dunkel, bis morgens um 7 Uhr, also lange 12 Stunden. Also Stirnlampe mit vielen Batterien mitnehmen, ein Buch vielleicht auch. In der Kälte entladen sich sehr sehr schnell Akkus und Batterien, wir haben dann unsere Akkus und Batterien am Körper getragen, daß bringt enorm viel und die Akkus und Batterien haben sich merklich erholt. Ich habe meine Akkus für die Videokamera und für den Fotoapparat mit in den Schlafsack genommen, so hatte ich für die ganze Tour genügend Energie. Diese Tipps sind besonders wichtig für den letzten Aufstieg bei fast minus 15 Grad. Dort sollte man erst den Akku an die Kamera anklicken wenn man filmt, danach direkt wieder in die Hosentasche bis zur nächsten Aufnahme. Mit eiskalten Fingern ist dies allerdings nicht so einfach und man sollte sich vorher damit vertraut machen. Viele Leute konnten keine Aufnahmen machen weil der Akku im entscheidenen Moment leer war, sehr ärgerlich !! Also Sonnenaufgang in 6000 m Höhe, alles gigantisch und traumhaft, wird man wohl nie mehr erleben---aber---AKKU LEER !!

3. Shira Camp 3830 m - Barrango Camp 3950 m, 6,5 - 8 h, Km 12

Nach dem sehr guten Abendessen gestern und dem reichlichen Frühstück geht`s los zum Barrango Camp. Herliches Wetter und plötzlich Stiche im Nackenbereich. Blitzschnell hatte ich mir den Nacken durch die Sonnenein-wirkung  verbrannt. Es geht rauf und runter, an riesigen Vukansteinen vorbei, kaum vorstellbar das diese tonnenschwere Steine über hunderte Meter weit von Vulkan ausgestoßen wurden. Nach einem kurzen Abstieg erreichen wir wieden Pflanzen, allerdings sehr ungewöhliche Gebilde. Es ist sehr nebelig, nein, wir sind in den Wolken !

Nach anstrengender Wanderung erreichen wir endlich das Barrango Camp. Ich bin sehr müde und erkältet. Abends im Zelt ohne Licht suche ich lange Zeit meine verdammte Stirnlampe, kann sie aber nicht finden, mir ist eiskalt, muß an meine Familien denken, schlafe ein und habe furchtbare Alpträume, liege 2 Stunden wach und friere saumäßig, Gespräche aus dem Nachbarzelt machen mich nervös, Tiere, vielleicht Ratten, kratzen an meinem Zelt. Jetzt muß ich auch noch pinkeln, beim Aufstehen läuft mir die Teeflasche aus, fange urplötzlich an zu weinen, kurz aber heftig, dann ist alles urplötzlich wieder in Ordnung und kann 3 oder 4 Stunden etwas dösen. Denke an die Mühsal der Träger, an Reichtum in Deutschland, an Zufriedenheit im Allgemeinen. Durch die gesehene Armut in Moshi fange ich an zu überlegen ob man wirklich das alles braucht zum Glück was man zu Hause so besitzt und lange erkämpft, erarbeitet, ergattert und erstritten hat.
Endlich, es wird langsam hell, stehe auf stell mich auf den Campingplatz und warte heftig frierend und zitternd sehr lange auf die wärmende Sonne. In meinem Zelt sind es nachts ca. 3 Grad und es ist von abends 7 bis morgens 8 h  stockdunkel. Möchte mich unbedingt richtig mit Seife und viel viel warmen Wasser waschen, in einer Badewanne !
Da kommt die Sonnen langsam aber sicher über die Hügel, berührt erst Füße und fährt langsam hoch, an jedem kalten Knochen vorbei, schon habe ich das Wannenbad vergessen und bin glücklich und topfit, ja es ist ein glücksbringene Wärme. Glücksgefühle ohne Konsumterror, Profitgier, Habgier und den ganzen Scheiß. Einfach nur so, was einige Sonnenstrahlen so alles bewirken können !

Tipp: Alle Klamotten im Seesack und Rucksack möglich trennen, das heißt zum Beispiel Medikamente in ein rote Plastiktüte, Waschzeug in eine weiße Plastiktüte, Unterwäsche in eine blaue Tüte u.s.w., so behält man eine relativ gute Übersicht.

4. Barrango Camp 3950 m - Barafu Camp 4600 m, 7-8 h, Km 13

Vom Camp aus kann man die viel beschriebene Breakfastwall sehen, hier muß ausnahmsweise etwas geklettert werden, der Wall ist nicht besonders anstrengend. Die Landschaft entschädigt wie immer für die Mühen. Nach ca. 4 Stunden erreichen wir ein Plateau und dort gibt es ausnahmsweise warmes Mittagessen, anstatt Abendessen. Gut gestärkt und gelaunt nach Spaghetti Bolognaise und frischer Ananas geht es leicht aufwärts. Die Strecke zieht sich dahin, immer wieder erblickt man den Kibo mit seinen Gletschern, traumhaft und sehr respektabel, weiß nicht ob er bedrohlich oder einladend wirkt.  

Den 4. Tag ohne Handy, Radio, TV, Zeitung, künstlichem Licht, Autos, Straßen,  sanitären Anlagen. Nur Natur pur, Ernährung gut aber einfach, nur schwarzer Tee oder abgekochtes Wasser. Keine Informationen, kein Luxus, eine erstaunliche Erfahrung macht man dabei. Die Lebensqualität ist eigentlich nicht schlechter, vielleicht sogar besser, denn man erlebt alles bewußter und nicht so oberflächlich und kurzweilig wie im "normalen" Leben. Keine Informationsüberflutung, alles wird gelassener, keine Bedenken mehr man könnte etwas verpassen. Tatsächlich geht man tagelang, nur um einen Berg zu ersteigen und hat sonst nichts zu tun oder zu erledigen. Eine nie gekanntes Freiheitsgefühl macht sich bemerkbar. Alle Leute sind irgend wie gut gelaunt oder sogar ausgeglichen, obwohl doch alles körperlich sehr anstrengend ist. Habe bestimmte 2-3 Kg abgenommen, aber nie gehungert, bin erstaunt über eine gute Verdauung und habe den Verdacht, daß unsere Industrienahrung zu Hause vielleicht nicht so das wahr ist.

5. Barafu Camp - Uhuru Peak 5850 m, 11-14 h, Km 19. Mweka Camp 2850 m

Gut im Barafu Camp angekommen, gut gegessen, viel gelacht. Die Träger haben uns was vorgesungen, toll. Ich fühle mich wieder topfit für die Ersteigung des Gipfels, jetzt nur noch 4-5 Stunden schlafen und dann geht es nachts um 0 Uhr los. Habe alles bereitgelegt, Camcorder, Stirnlampe, Getränke, Müsliriegel habe ich keine mehr, egal.

Bin sehr nervös und kann nicht schlafen, Puls ca. 125 und das liegend. Warte auf den Aufbruch, schaue alle 10 Minuten auf die Uhr. Der Sonnenaufgang über den Uhuru Peak wird bestimmt unvergesslich werden. Bin völlig davon überzeugt das ich das schaffe, kein Problem, würde am liebsten jetzt, um 22 Uhr, losgehen. Nach endlosem Warten geht es los. Mit eiskalten Fingern und Füßen durch die Dunkelheit, die Stirnlampen funktionieren recht gut, der Weg ist steil aber relativ gut begehbar, die 2 Guides leiten Burkhard und mich gekonnt Richtung Uhuru Peak. Nach einer Stunde habe ich nichts mehr zu trinken, nach 1,5 Stunden ist Burkhards Wasser eingefroren, nach 2 Stunden spüre ich meine Finger nicht mehr, meine Füße werden langsam taub. Wir machen alle 10 Minuten eine Pause, mein Puls ist auf 160. Ich bekomme schaumigen weißen und zähen Speichel, ekelhaft. Überhole meinen Guide, obwohl ich das nicht sollte. Schaue in den phantastischen Sternenhimmel, so große Sterne, oder sind es Stirnlampen von Leuten vor uns, oben auf dem Berg. Die Mondsichel leuchtet rot, noch nie so schön gesehen, es ist totenstille, alles scheint zeitlos, friedlich und gut. Ich will wieder den Guide überholen, oder habe ich das nur geträumt, bekomme heftige Kopfschmerzen.

Die eisige Kälte von ca. 10 Grad minus, die tiefe Müdigkeit, das gefrorene Wasser, die leblosen Finger, alles kein Problem, gleich sind wir oben. Habe nur eine Sorge: bin ich wach oder gehe ich schlafend ? Wann bin ich wach und wann nicht ? Burkhard steht plötzlich neben mir und versucht in unendlich langer Zeit einen Müsliriegel zu öffnen, irgendwann hat er es geschafft, er kann nicht abbeißen, der Riegel ist zu sehr gefroren. Er spricht vom 7 stündigem Abstieg, ich glaube ich bin wieden eingeschlafen und sehe im Traum oder im Wahn oder in der Realität  Burkhard auf einem Fahrrad sitzen, kann ja nicht sein, hier kann kein Fahrrad sein, unmöglich. Burkhard spricht vom Abstieg, ich versuche zu überlegen, ich kann gar nicht mehr überlegen, merke ich. Wir steigen ab, das war`s, aus und vorbei.

 

Nach stundenlangem Abstieg erreichen wir morgens so um 8 Uhr das Basiscamp. Der Rückweg fehlt in meiner Erinnerung, ich kann mich nur an die wärmende Sonne erinnern die plötzlich da war und glaube das mich Praygot am Arm haltend sehr schnell den Abhang runterführte und ich stolpernd aber sehr schnell Richtung Tal lief. 

Gehe in mein Zelt, falle mit allen Klamotten, Brille und Stirnlampe auf die Isomatte und schlafe fest und tief 2 -3 Stunden auf dem Gesicht liegend, verliere reichlich Speichel, werde durch die Nässe wach und fühle, daß ich völlig naß durchgeschwitzt bin und das es mir sehr warm ist. Habe sehr lange damit zu tun festzustellen welche Tageszeit wir haben, frage Burkhard und vergesse die Antwort sofort wieder, habe mich dann nicht mehr getraut zu fragen und habe weiter überlegt: Welche Tageszeit ist denn jetzt. Beim Pinkeln merke ich, daß mein Urin rostbraun ist und sehr streng richt.

Was wäre wohl passiert wenn Praygod mich nicht so professionell ins Basiscamp gebracht hätte ? Es gibt am Kili keine Rettung, Hubschrauber gibt es nicht. Ein Abstieg dauert, auf einer Karre liegend, viele viele Stunden. Sauerstoffgeräte, Notärzte oder Sanitäter gibt es keine. Das Krankenhaus in Moshi ist, wenn man es denn überhaupt erreichen sollte, für europäische Verhältnisse  der wahre Horror.

Habe in den letzten 24 Stunden nur 2-3 Stunden geschlafen. Währen der letzten 5 Tage vielleicht 4-5 Stunden in 24 Stunden. Trotzdem bereue ich keine Minute der Tour, bin im Leben selten so ausgeglichen und zufrieden gewesen.

Tipp: Es gibt zahlreiche Tipps zur Bekämpfung der Höhenkrankheit (Wasserbildung in Lunge oder Gehirn durch den verminderten Sauerstoffgehalt in der Luft) Diamox und andere Tabletten sollten meiner Meinung nach nicht genommen werden. Die Warnsignale einer Höhenkrankheit (Luftnot, Kopfschmerzen, Brechreiz) können kaum noch wahrgenommen werden. Zwei Gipfelbesteiger berichteten auch von furchtbaren A lpträumen. Im Traum erschoß einer seine Eltern, ein anderer träumte seinen eigenen Flugzeugabsturz. Da die Höhenkrankheit zum Tode führen kann und dies auch mehrfach am Kili geschehen ist, gibt es nur eine Lösung des Problems: ABSTIEG, möglichst schnell.  Meine Erfahrung war, daß es schwierig ist zu erkennen ob man eine Höhenkrankheit hat oder ob man nur völlig erschöpft ist. Ich hatte zwar Kofschmerzen und Sinnestäuchungen aber eigentlich keine Luftnot. Ich wußte einfach nicht mehr zu unterscheiden ob ich alles tatsächlich erlebe, oder ob ich schlafe und träume.

Viele "Gipfelstürmer" nehmen auch einige Aspirin zur Blutverdünnung damit eine Sauerstoffversorgung beschleunigt wird. Denke mal, das ist falscher Ehrgeiz, diese Leute haben sicher nicht den Sinn einer Kilibesteigung verstanden.

Abstieg Mweka Camp 2850 m

Körperlich eigentlich gut erholt geht es zum Abstieg, träume von einen Duschbad, einem Bett. Werde noch lange lange mit der Tour zu tun haben. Hätte den Gipfel gerne erklommen, aber ich habe auf der Tour so viel über mich erfahren und so viel gelernt, vielleicht hat es ja einen Sinn, das ich es nicht geschafft habe.

Stundenlang geht es durch Geröll und schlage mir die Fußnägel blutig. Langsam, sehr langsam kommt das geliebte Grün ganz langsam wieder. Man sieht ein grünes Tal mit bearbeiteten Feldern. Langsam zurück in der Zivilisation, na endlich, oder nicht ? Ich weiß es nicht.

Im letzten Camp angekommen gibt es sogar einen Wasserhahn und Cola und Bier zu kaufen, wir sind schon wieder im Regenwald zurück. Kaufe ich jetzt eine Cola, oder ein Bier ?. Komischerweise habe ich keine Bedürfnisse danach. Nach sehr gutem Abendessen geht es ins Zelt, das erste Mal das ich 6 Stunden am Stück schlafen kann, nach 6 Tagen. Bin etwas betrübt, daß es bald vorbei ist, trotz der Anstrengungen.

6. Mweka Camp 2850 - Park Gate Mweka 1800, 3-4 h, Km 6

Nach einem tollen Abschiedsfrühstück mit Pfannkuchen, Toast, Melonen etc. gehts abwärts, stundenlang in einem ausgetrocknetem Flußbett durch den Regenwald, wir sehen viele Affen und erreichen zufrieden das Abschiedscamp Park Gate Mweka auf 1800 m. Hier werden wir uns bei den Trägern bedanken und alle mit dem Bus zum Hotel fahren.

 

Das vereinbarte Trinkgeld haben wir um 75 Dollar erhöht, weil wir äußerst zufrieden waren.  Als Dank haben uns die Träger wieder ein Lied gesungen und einen Tanz aufgeführt, alles sehr bewegend der Abschied. Beeindruckende Leute denen man ihre Erleichterung ansieht, sie haben es auch geschafft und können zu ihren Familien zurück. Wir sind dann alle 14 Leute mit dem gesamten Gepäck im viel zu kleinen Bus zurück zum Hotel gefahren . Es war sehr eng im Bus, die Träger haben wieder gesungen, wir fuhren an ärmlichen Blechhütten vorbei, an staunenden Kinderaugen, an winkenden Landarbeitern, an einer Metzgerei an deren Dach ein halbe Ziege hing, an Kaffeeplantagen in die staubige hektische Stadt.

Im Menschengewühl der Stadt gehen sehr stolz, würdig langsam und erhaben zwei großgewachsene Massai ihres Weges, ein unvergessliches Anblick.  

Wir sitzen im Bus, die Träger vrabschieden sich und tauchen im Stadtgewühl unter, wir werden sie wohl nie wieder sehen. Beim Abschied umarmt mich ein Träger und sagt: "Gott segne deine Familie". Wir haben feuchte Augen, alles war so unglaublich  herzlich und menschlich.

Wir hatten uns alle 6 Tage lang nicht richtig gewaschen, ich hatte noch die Hose an, die ich 6 Tage und 5 Nächte am verschwitzten Körper trug, was soll`s, alle Fester im Bus waren ja geöffnet und alle waren sehr zufrieden. Im Hotel angekommen stürmte ich in mein Zimmer und warf mich auf`s Bett, unglaublich, unbezahlbar, unbeschreibbar, schlief sofort ein. Dann bekam ich mein erstes fließendes warmes Wasser nach 6 Tagen in Form einer DUSCHE !  Zog mich aus und "stellte mein verdreckste Hose in die Ecke"     

BOOHHH---War in meinem Leben noch nie mit so wenig so zufrieden und glücklich, so einfach kann das Leben sein.

Der Chefguide lud uns noch zu Abendessen auf sein Kosten ein, in einem indischen Restaurant, es war ausgezeichet. Auf dem Weg dorthin ging es an viele wartende arbeitslose Menschen im besten Alter vorbei. Ich dachte mir,  " Willkommen zurück im Leben "

Morgens um 5:30 h fuhr uns Madeleine zum Flughafen Kilimanjaro Airport, vorbei an zwei Straßensperren mit schwer bewaffneten Polizisten. In der Stadt gibt es viele Überfälle und Raubzüge, die Polizei ist aber machtlos oder schaut weg. Das ist doch keine Problem dachte ich, man braucht doch nur die Armut abzuschaffen, so einfach ist das. Nur, wie macht man das  ??

Wieder waren viele Meschen auf der Hauptstraße und gingen Richtung Moshi, auf der Suche nach Arbeit. Arbeit gibt es aber nur wenig, so wie es nur wenige Reiche gibt und die sind reich geworden ohne Arbeit.

Tipp: Einen Stadtbummel nie alleine unternehmen und nach 18 h die Stadt nicht mehr betreten.

Ich flog zurück nach Frankfurt am Kili vorbei. Jetzt ist alles vorbei. Gott, ist die Woche schnell vergangen, wäre gerne geblieben.

Im Flugzeug beschwerte sich ein Kunde lauthals über den schlechten Service weil er keine Tageszeitung bekam, anschließend legte er sich längs auf drei Mittelsitze schlief, döste und ärgerte sich bis Frankfurt. Im Zug nach Köln kam ein älteres Paar in den Bistrowagen, bestellte für 50 Euro Essen und Getränke.Es hat ihnen nicht geschmeckt, sie ließen die Lebensmittel liegen, bemängelten den Service und ärgerten sich.

Ja und da habe ich begriffen:  Ich bin wieder in Deutschland 

Es ist jetzt viele Wochen her, daß ich die Kili-Tour erleben durfte, sehr sehr oft denke ich an diese Zeit.  Afrika hat mir viel gegeben, auch ohne die Gipfelbesteigung.

Der Weg war das Erlebnis, nicht der Gipfel

 In einigen Jahren werde ich wieder dort sein, aber länger. Es geht mir auch um das Erfolgserlebnis den Gipfel doch zu schaffen, aber viel wichtiger ist mir, daß ich die Tage mit den Erlebnissen, Erfahrungen und Einsichten wiederholen kann. Durch die Kili Tour habe ich meine Meinung über viele Dinge des Lebens geändert.  

Bis dann: Jambo, asante sana, pole pole  

Kwa heri !

Kaum zu glauben, in diesem Kleinbus ging´s mit 10 Personen und großem Gepäck zum Start der Wanderung. Bei einer unvergesslichen guten Stimmung und bei afrikanischen Gesängen "ruckelte" der Wagen in Richtung des höchsten Berges Afrikas.

Unsere Lager, nachts bittere Kälte bis zu 12 Grad minus, tagsüber knallende Hitze.

Das ist kein Nebel, wir sind in den Wolken, in über 3000 Metern.

Der "Kibo", der Gipfel, so nah und doch so fern. Freundlich, bedrohlich?. tja, keine Ahnung.

Für Anregungen, netter Kritik aber auch für Fragen und Erklärungen stehe ich gerne zur Verfügung. Melde dich einfach über die Kontaktseite

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