Reisen: Nach über 30 Jahren Stress als Unternehmer endlich der "Himmel auf Erden" auf Sardinien. 

9 Jahren in den Ortschaften La Ciaccia und La Muddizza im Norden der wunderbaren Insel war das Überwintern von Oktober bis Mai bei milden Temperaturen, ohne Tourismus bei wunderbaren Sardinnen und Sarden eine Zeit der Achtsamkeit und Bescheidenheit.

Sarden/innen besitzen die Fähigkeit sich mit Gesten und Mimik unter- halten zu können, eine fantastische Fähigkeit.

Liebenswerte Menschen, eine aussergewöhnliche wundervolle Natur brachten viele Glücksmomente bei tiefer Zufriedenheit.

Bin sehr dankbar dafür diese Zeit in einfachen aber wundervollen Verhältnissen erlebt zu haben.

Zwei kleine Glücksmomente auf Sardinien, veröffentlicht in der Zeitung"Die Zeit"in der Rubrik "Was mein Leben reicher macht."

Der letzte Bus ist weg! Für die 20 Kilometer die mich von Perfugas zum meinem Bett trennen, möchte ich in einer Bar auf Sardinien ein Taxi bestellen. Der Wirt lacht, sagt "niente oggi Taxi". Dann telefoniert er um Ersatz zu finden: niente!

Ein alter Mann steht an der Theke und empfiehlt sich als Fahrer. Ich nehme sein Angebot dankend an. Wir gehen zum Auto, denke ich zumindest. Nein! Es wartet eine alte, geflickte Vespa mit verschlissenem Sozius, und einem zu großen Sturzhelm, in dem Papiert für halt sorgt. Es geht los, rutsche verunsichert auf dem Sozius hin und her. Wir gleiten durch die helle Vollmondnacht, in den teils engen Kurven der Serpentinen eiern wir und der Sturzhelm gemächlich dem silber gläzenden Lago Coghinas entgegen. Ein mit Rosmarinduft erfülltes Lüftchen bereichert das mediterrane Klima. Die Vollmondnacht läßt in weiter Ferne das ruhige Meer erahnen. Denke an meine seit vielen Jahrzehnten vergangene Teenagerzeit, fühle mich frei, jung und unbeschwert. Viel zu schnell kommen wir ans Ziel. 

Bei Pietro, ein sehr alter, gut gelaunter Mann bedanke ich mich. Ich bin durch die vielen Emotionen glücklich, aber hundemüde und gehe voller Gedanken und Zufriedenheit in´s Bett.

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Gehe über meine Lieblingswiese. Höre das Wehen der Pinienzweige, das Zirpen der Grillen und die Meereswellen rauschen über den groben Kies am Strand. Gehe in Richtung der jungen Ziegen und höre ihre Glöckchen, aus der Ferne die Kirchenglocken, es ist 8 Uhr. Eine leichte Brise treibt ausgelassenes Kinderlachen ans Ohr. Ja!, Geräusche können Glück senden.

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Weitere kleine Glücksmomente

 

Treffe einen verschüchterten, fast ängstlichen Afrikaner vor einem Supermarkt in Valledoria auf Sardinien, er möchte Schnürsenkel, Putzzeug etc. verkaufen. Er findet aber keinen Zugang zu den Menschen, die in den Supermarkt eilen. Er wirkt recht traurig, er heißt Aliou (der Löwe).

Ein Jahr später treffe ich ihn wieder, laut palavernd, auf italienische Art gestikulierend und in gut verständlicher italienischer Sprache verkauft er flott einige Artikel. Er unterhält sich fröhlich, emotional, mit einigen Sarden über das Wetter.

Er hat es fast geschafft in der italienischen Gesellschaft anzukommen, er wird bald seiner Familie in Tansania Geld schicken können, sein Traum ist in Erfüllung gegangen. 

BUSFAHREN auf Sardinien ist wundervoll, wenn man es denn kann.

Die Haltestellen (fermata del`autosbus) haben meist einfach keinen Fahrplan. Der ist auch nicht nötig, denn es gibt ein fantastische App mit allem was man braucht, ich liebte diese App., sie heißt Orari ARST einfach runterladen, fertig. Es gibt wundervolle Fahrten für kleines Geld, ins bizarre Gebirge, wundersame Landschaften, z.B. "Valle della Luna" am Meer entlang etc. Entspannt sitzt man im Bus, praktischerweise erhöht und konzentriert auf die Landschaft, nicht dem Verkehr. Es passiert allerdins manchmal das der Bus unerwartet hält, z.B. vor Castelsardo. Warum?: der Fahrer geht ins gegenüber liegende Cafè und trinkt in aller Ruhe einen leckeren Espresso, dann geht die Fahrt weiter. Die anwesenden Touristen sind verwundert und staunen.....tja, so ist eben Sardinien-:) und erstaunlich wie der Bus die engen Serpentinen meistert. Busfahren ist viel, viel schöner und angenehmer als selber mit dem flachen Auto konzentriert den Weg zu suchen.

 

TIPP: man kann über Goggle-Map die Fahrzeiten (Datum, Uhrzeit) Abfahrts- und Zielort angeben, unbedingt auch das Bussymbol anklicken und man sieht den entsprehenden Fahrplan im Internet. Im Bus kann man meistens nicht bezahlen. Also Ticket über die App bezahlen, per Kreditkarte etc. Viel Spaß, es wird ein Erlebnis!!!

ZUGFAHREN geht auch ganz einfach. Fast in allen Stationen stehen Automaten. Alle relevanten Daten eingeben (in Deutsch!) wenn die Angaben genehm sind, erst dann bezahlen und Ticket erhalten. UNBEDINGT vor Fahrtantritt am Automaten entwerten, sonst bist du Schwarzfahrer und das ist in Italien sehr teuer!

Ist der Automat defekt, KEIN Problem, frag einen alten Mann, der kann meistens Deutsch (er war sicher Gastarbeiter in den 60-70er Jahren), mir ist das in einem stillen Ort nachmittags passiert. Auf dem ruhigen Marktplatz war ich plötzlich die Attraktion, endlich was los im verschlafenden Ort, denn ich fragte in Deutsch "wie komme ich mit dem Zug nach Bosa". Unter ca. 10 Sarden entbrannte eine laute Diskussion, nach einer Weile war man sich einig und man beschrieb mir die Vorgehensweise ? Wurde gefragt wo ich in Deutschland wohne, ich sage "in Köln", da schreit ein Sarde in Hintergrund, "ah da wohnt meine Tochter, ich gebe dir die Adresse, sie macht die besten Nudeln von Köln, sie wird dich einladen um zu wissen wie es mir geht".Unter reichlichem Schulterklopfen durfte ich meines Weges gehen. Das war eine meiner emotionalsten Erlebnisse und werde sie nie vergessen. Die Sarden sind ein fantastisches Volk. So viele Emotionen und Gesten der Wertschätzung, unglaublich.

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Die Sarden/innen sind sehr emotionale Menschen mit großen Herzen. Ihre bescheidene Lebensart machten Sie zu einer Volksgruppe,

welche zu den "5 blauen Zonen" gehört.

Diese 5 Zonen sind die Zonen mit ungewöhnlich alt werdenden Menschen, dabei sind die sardischen Männer im Durchschnitt die Volksgruppe der ältesten Männer weltweit. Die bescheidene, karge, ärmliche Lebensweise in den Bergdörfern soll entscheidend dazu beigetragen haben vorteilhafte Gene zu bekommen und zu haben. Dieses Jahr hat ein Sarde mit 104 Lebens-jahren seine Führerscheinprüfung bestanden, alles ohne übertriebener Anstrengung.

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